| Vor 10
Jahren: TV-Fälschungsserie bei stern TV wird entlarvt
ALS DER TV-JOURNALISMUS AM NULLPUNKT WAR
Medienkrimi über größten deutschen TV-Skandal mit Günther
Jauch
Der
jetzt erschienene Medienkrimi DER FAKE- FAKTOR - Spurensuche im größten
Betrugsfall des deutschen Fernsehens aus
dem Münchner kopaed Verlag rekonstruiert einmalige Ereignisse, die
Medien, Politik und Zuschauer 1996 über ein Jahr lang in
Atem hielten und zeigt, wie sich eine Affäre um gefälschte TV-Reportagen
zum größten Skandal in der deutschen TV-Geschichte aufschaukeln
konnte.
Hintergrund: Im Januar des Jahres entlarvt die Staatsanwaltschaft Koblenz
Michael Born als mutmaßlichen Betrüger.
23 mehr oder weniger intelligent manipulierte TV-Beiträge soll der
freie Journalist in erster Linie an deutsche Politmagazine verkauft
haben. Darunter ZAK, Spiegel TV und die von den Fakes hauptbetroffene
Redaktion stern TV.
Nach den Ermittlern stellen Medien Fragen nach dem Berufsalltag bei stern
TV. Hätten die Fakes nicht erkannt werden müssen? Wurde aus
Quotengier der journalistische Ethos über Bord geworfen? In der Folge
liefert sich Ex-Chefredakteur Günther Jauch mit
anderen Medien hitzige Gefechte in der Öffentlichkeit. Bis zu Borns
Verurteilung zu vier Jahren Haft erschüttert der Skandal die
Glaubwürdigkeit des Journalismus, um danach in Vergessenheit zu geraten.
„Es ist medienhistorisch wichtig, dass das Kapitel erstmals zusammenfassend
dargestellt wurde, „sagt Klaus Bednarz, Ex-Chef
des WDR-Magazins Monitor und damals größter Kritiker von stern
TV. Wer war wirklich verantwortlich dafür, dass der TV-Journalismus
am Nullpunkt ankam und warum verschweigen Redaktion und Jauch den Skandal
bis heute? „Wie schon in der
damaligen Affäre gehen die Verantwortlichen konkreten Antworten aus
dem Weg“, sagt Autor Thomas Pritzl, der lange Jahre für
die Medienberichterstattung u.a. der Wirtschaftswoche tätig war.

Bild 1: Am Pranger im TV-Studio - Jauch gelingt es nicht,
die harten Beschuldigungen seines Kritikers Klaus Bednarz zu parieren;
Erich Böhme versucht mit ironischem Unterton vergeblich zu vermitteln.
Bild 2: „Schlampig, journalistisch untalentiert,
aber risikobereit“ - das Image des TV-Fälschers in den Magazin-Redaktionen
ist umstritten. Trotzdem werden seine Beiträge jahrelang gesendet
und erzielen hohe Quoten.
INTERVIEW ZUM MEDIENKRIMI
DER FAKE-FAKTOR – Spurensuche im größten Betrugsfall
des deutschen Fernsehens
THOMAS PRITZL, Autor
Dr. LUDWIG SCHLUMP, Verleger kopaed, München
Der größte Betrugsfall im deutschen Fernsehen liegt exakt 10
Jahre zurück.
Herr Pritzl, warum das Buch und mit welchem Ziel?
Der „Fake-Faktor“ sucht trotz prominenter Protagonisten nicht
den Skandal. Ich will einmalige Vorgänge in der deutschen Mediengeschichte
rekonstruieren. Es geht um nichts mehr und nichts weniger als den größtem
Betrug am Zuschauer im deutschen Fernsehen, dessen Hintergründe bis
heute nebulös sind. Die Tatsache, dass der Skandal nach dem Urteil
auf nimmer Wiedersehen aus den Schlagzeilen verschwunden ist, heißt
nicht, dass die Verantwortlichkeiten geklärt worden sind.
Sie haben damals selbst für stern TV gearbeitet, wie erlebten Sie
die Zeit?
Ich war für die redaktionelle PR verantwortlich. Aber ich habe miterlebt,
welche Entscheidungen welche Konsequenzen zeitigten. Es ist anzunehmen,
dass die Affäre anders verlaufen wäre, wenn die Redaktion sie
systematisch gemanagt hätte. Aber weder Jauch noch sein Chefredakteur
Zaik erkannten die Brisanz. Ergebnis: ein PR-Desaster. Heute wissen sie,
dass es etwas anderes ist, als Redaktion Missstände anzuprangern
oder selbst Gegenstand der Berichterstattung zu werden. Vielleicht führte
dies zu so traumatischen Erfahrungen, dass stern TV zu den Ereignissen
bis heute schweigt.
Von welchen Erfahrungen sprechen Sie genau?
Wer das Buch liest, sieht, dass sich Jauch durch wenig subtile Angriffe
und Schuldzuweisungen über 12 Monate hinweg nicht eben mit Ruhm bekleckerte.
Beispiel: Auf die oft gestellte Frage, warum die offensichtlichen Fakes
nicht aufgefallen seien, sagte Jauch, bei den Endabnahmen von Filmen interessiere
ihn nicht, ob die Darstellungen stimmen, sondern ob die Geschichte „stimmig“
sei. Zudem habe er - immerhin Ex-Chefredakteur des Magazins - noch nie
in einem Schneideraum gesessen. Ich habe in meinen 15 Jahren Tätigkeit
in der Medienbranche keinen Journalisten erlebt, der sich öffentlich
derart selbst demontiert hat. Eine solche Krisenerfahrung hinterlässt
Spuren - ob bei einem TV-Moderator oder einem Konzernchef. Aber anstatt
Skandal und Urteil zum Anlass für eine Debatte über den Fernseh-Journalismus
zu nehmen, fand eine Auseinandersetzung im Interesse des Zuschauers bis
heute nicht statt.
Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Die Frage stelle ich mir auch, leider kann ich Ihnen darauf keine Antwort
geben. Aber dies ist doch ein klares Indiz dafür, dass die Branche
dem Skandal aus dem Weg geht.
Das Buch wirft eine Reihe von offenen Fragen auf.
Richtig. Und es stellt Zusammenhänge dar, die der Öffentlichkeit
zum Zeitpunkt der Affäre gar nicht oder nicht in ausreichendem Maße
sichtbar wurden. Natürlich hätte ich gerne auf Fragen konkrete
Antworten geben wollen. Meine Fragen an stern TV blieben unbeantwortet
– „es gibt auch nach 10 Jahren keine neuen Erkenntnisse.“
Als Autor stelle ich dem Leser Rechercheergebnisse zur Verfügung.
Es liegt an ihm, wie er sie interpretiert und die Verantwortlichkeiten
bewertet.
Herr Schlump, wieso sind Sie als Fachverlag auf das Buch angesprungen?
Der „Fake-Faktor“ ist neben einem Medienkrimi und einer Sittengeschichte
über das TV auch ein Sachbuch, das auf eine außergewöhnlich
spannende Weise unser Rundfunk- und Mediensystem beschreibt und zugleich
Einblicke in dessen Funktionsweise gibt. Soweit der medienpädagogische
Aspekt. Ich kenne im Blick auf die Kommunikations-Branche aber auch keine
Publikation, die ein einmaliges PR-Desaster ähnlich detailgenau schildert
- vom Beginn bis zum Ende, inklusive des Managements. Und dies sind zwei
unserer Kern-Zielgruppen.
Herr Pritzl, schildern Sie uns Ihre Erfahrung bei der Verlegersuche?
Dieses Thema gestaltet sich für jeden neuen Autor schwierig. Und
ich behaupte, dass dies mesitens nichts mit der Qualität zu tun hat.
Vielmehr suchen Verlage ihr Glück, also den wirtschaftlichen Erfolg,
indem sie leicht verdauliche Buchkost auf den Markt bringen: Kochbücher
von Prominenten (meistens aus der TV-Branche) rangieren an erster Stelle.
Themen, die polarisieren, fallen eher aus dem Raster.
DER
FAKE-FAKTOR – Spurensuche im größten Betrugsfall des
deutschen Fernsehens
Kopaed Verlag, 136 Seiten, 19 Abbildungen, 9.80 Euro.
Kontakt:
Ludwig Schlump - info@koped.de
Thomas Pritzl - medienkrimi@yahoo.com

Thomas Pritzl
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